Wir haben versagt.

Die NSA speichert (wahrscheinlich) alles™ mit. Soweit, so schlecht.

Ich lese nun im Spiegel “Wir haben es ja immer schon gesagt“. Ich höre wie wir wieder empfehlen Mail selbst zu hosten, Tor zum surfen zu verwenden und GPG. Am besten installiert man gleich noch eine schnieke Linuxdistri. Wir benutzen dabei Wörter wie “Klickibunti” und “DAU”.

Das machen wir jetzt auf eine oder andere Art seit 20 Jahren. Gebracht hat es nichts. Sicherlich kann man sich in der Rolle des einsamen Rufers in der Wüste gefallen. Helfen wird dieses cassandrinische Selbstbild aber sicher nicht. Genau so wenig, wie die seit 20 Jahren unbenutzbare Software, die Menschen helfen soll sicher zu kommunizieren.

Wir betrachten uns als aufgeklärt, technologisch versiert. Ein paar von uns verstehen sogar wie Kryptografie funktioniert. Wir lachen über kaputte Verschlüsselung, wenn sie uns nicht mal gerade selbst betrifft. Wir empfehlen Verschlüsselung, nur um im nächsten Vortrag zu sagen, dass Kryptografie schwierig und im Regelfall kaputt ist. Wir sind technologisch-aufgeklärte Mittelschicht.

Wir machen doch immer so gerne Neunzehnvierundachtzigvergleiche: Wir sind die Outer Party. Und die Proles gehen uns am Arsch vorbei. Diese DAUs, die iPhones und Facebook benutzen. Die ihre Daten an US-amerikanische Server schicken. Die Gmail oder GMX benutzen, statt ihre Mail selbst zu hosten. Unseren Ekel verbergen wir hinter zynischen Ratschlägen. Mit TOR zu surfen ist objektiv von einer “funktional kaputten” Drosselung nicht zu unterscheiden. Wir haben kein Gefühl mehr für Menschen die mit diesen grauen Kisten nur ein bisschen mit ihren Freunden reden und rumsurfen wollen, statt ihre komplette Freizeit darin zu versenken. Nicht mit GNU/Linux handverschlüsselt? Ätschbätschselberschuld.

Das eigentliche Problem: Niemand will die wirklich harte Arbeit machen. Sichere Kommunikation, die intuitiv benutzbar ist. Angefangen bei den Konzepten, bis hin zur UI. Vielleicht sogar transparent. Stattdessen machen wir Vorträge zu GPG, die nur uns helfen uns prometheisch zu fühlen. Und wenn was schief geht, dann haben wir ja “schon immer gewarnt”.

Vollautomatische Kapitelmarken

Ich mach da ja diesen Podcast. Fanboys. Und da gibt es immer fleissig Kapitelmarken, mit Links und Gedönse.

Das ist leider immer noch ziemlich aufwändig und kostet mich in der Nachbereitung circa Echtzeit um das alles nochmal zu markieren, benamen und zu verlinken. So weit, so doof.

Jetzt ist eine Fanboys Sendung etwas, was ziemlich nach Skript abläuft. Hier zum Beispiel die Agenda für die aktuelle Folge: FAN109. Wir schreiben das vorher, unter der Woche zusammen in einem Etherpad, immer wenn uns was für die Sendung einfällt.

Jetzt dachte ich mir: Eigentlich echt dumm, das noch mal in den Audio-Editor zu kopieren. Das muss automatisch gehen. Es müsste eine Agenda App geben. Die ich synchronisiere mit der Aufnahme. Und dann den Kram gleich abhaken kann. Ich starre ja wärend der Sendung eh aufs Pad!

Und dann fiel mir ein, dass ich das ja kann. Mit dem App machen.

2×2 Stunden später war das dann fertig. Kann automatisch das aktuelle Etherpad einlesen und in einer TableView darstellen. Synchronisieren geht auch ganz einfach: Die App spielt nämlich die Titelmelodie ab, die ich aufnehme. Zack, bumm, return. Wie die Kollegen sagen würden. (Oder zumindest so ähnlich. ;) )

Während der Sendung läuft jetzt also der Timer und ich kann das abhaken, um was es gerade geht. Links dazu kann ich mir auch gleich angucken. Auch Audiokommentare (via WebView) abspielen.

Am Schluss drücke ich auf Stop und die App schickt mir ein fertiges Projekt für Hindenburg per Mail. Mit Kapitelmarken, Namen und Links. Da muss ich dann nur noch das Audio reinwerfen und fertig.

\o/

PS: Hier gibt es das ganze auch als Schaubild.

Open in Public Day

Okay, lasst uns mal offen sein: Ich mag die Idee der Spackeria. Und damit meine ich kritisch zu hinterfragen und zu diskutieren ob Datenschutz überhaupt möglich ist, in dem Maße in dem er traditionell gefordert wird.

Ich denke aber, Post-Privacy Experimente sind sowas von Eighties. (I.e. 2011). Daß weiße mittel-alte Männer konsequenzlos Spaß im Internet haben können, dürften wir mittlerweile bewiesen haben. Auch dass damit ggf. Nutzen verbunden ist und wie sich das anfühlt. Ich verspreche mir davon wenig weiteren Erkenntnisgewinn.

Was mir fehlt sind Utopien wie wir dahin kommen, dass das auch für andere gilt. Gerade im Hinblick auf Technologien wie Google Glasses, die auch stärker andere betreffen. Ich weiss, hohe Ansprüche, aber wenn ich bei #aufschrei lese dass sich manche abends nicht mehr joggen traut, vergeht mir irgendwie die Lust an der Inszenierung meiner Position im Rahmen von #oipd13. Sorry to be a party pooper.

redunmannz

Hier, #aufschrei, ne. Muss ich jetzt nicht erklären oder? War ja schon in der Tagesschau.

Ich war selten so ergriffen auf Twitter, wie vorgestern abend, als ich zuhause saß und zusah wie #aufschrei anfing. Und weiterging. Und schneller scrollte als ich lesen konnte. Frauen, die die Stimme erheben und sagen was scheisse ist.

Ich las jetzt öfter dass Blogtexte von Männern zum Thema vermisst würden. Ich denke, dass mann sich das sparen sollte. Ich finde, das ist kein Mangel. Ich finde ihr solltet lieber die guten Texte von Frauen lesen zum Thema. Meinetwegen auch die schlechten und relativierenden Texte von Frauen. Ich glaube aber nicht dass ich als Mann euch nochmal sagen muss, dass eins Menschen wie solche behandeln muss und dass das derzeit offensichtlich nicht passiert. Oder dass das aus meinem Mund mehr hilft. Oder sollte. Damit verfalle ich nur in übliche Muster in denen Männer alles noch mal wiederhol-erklären, sich aneignen und damit validieren.

Ich denke #aufschrei steht für sich und gehört mir nicht. Ich finde ihn mehr als nur gut und versuche entsprechend solidarisch zu sein. Aber vielleicht wäre es schön wenn Männer hier mal zuhören, akzeptieren und reflektieren. Reden tun sie sowieso dauernd, sonst. Und wenn in zwei oder drei Wochen #aufschrei verklungen ist, können wir Männer ja darüber bloggen, was wir falsch machen und was wir besser machen können. Ohne jetzt den Raum wegzunehmen, der für uns immer selbstverständlich ist.

Wer will mit “meiner” Frau schlafen?

Christian Ulmen hat es getan – er hat endgültig den Hai übersprungen. Sein neues Format “Who wants to fuck my girlfriend” startet alsbald auf Tele 5. Darin sollen zwei Männer gegeneinander “antreten”. Wessen Freundin ist die hübschere und “bekommt mehr eindeutige Angebote”. Die Wettbewerbe werden sich wohl im Café oder beim Friseur abspielen, aber auch im Bordell und “auf dem Strassenstrich”. Die Freundin, für die sich mehr Freier entscheiden macht mehr Punkte für ihren Mann.

Das ist alles bestimmt total lustig gemeint, denn wer würde denn wirklich seine Freundin/Frau/$nahestehendeperson zu solchen Sachen animieren? Wer würde denn wirklich so etwas tun?

Selbst wenn es hier nach Doku-Soap Manier Schauspieler sind, die als Pärchen auftreten, ist die Message klar. Hier wird eine Wirklichkeit verkauft in der Männer mit ihren Frauen schachern. Sie als Objekte gegeneinander antreten lassen. Wer hat das schnellere Auto, das grössere Haus, die “geilste” (Zitat Ulmen) Freundin.

Dem Anschein nach weiß Christian Ulmen ganz genau was er hier tut. Er verwendet strukturellen Sexismus für die Einschaltquote, für den Lacher zwischendurch, für die Kohle.

Vielleicht kann mensch sich diese Serie, wenn sie in vier Wochen läuft auch als Gesellschaftskritik ansehen. Ich glaube allerdings nicht, dass sie so gedacht oder positioniert wird. Es würde mich wundern, wenn die strukturellen Probleme reflektiert oder angesprochen würden. Hier geht es um Quote, Empörung im Vorfeld (ja, ich mache hier gerade dabei mit) und den faszinierten Ekel beim Zusehen. Ignorieren hilft aber leider eben auch nicht. Und so lässt das Konzept mich eher mit einem Gefühl der Machtlosigkeit zurück: Mit einem Hinweis auf den frauenverachtenden Charakter der Sendung helfe ich Ulmen beim Marketing, ohne einen Hinweis lasse ich ihn gewären. Denn sind wir mal ehrlich: Quoten wird die Sendung so oder so bringen. Dazu muss sich eins nur das Nachtmittagsprogramm der Privaten ansehen.

Ich habe überlegt, ob ich mich hierzu äußere oder nicht – ich habe mich gegen Schweigen entschieden. Ich möchte nicht, dass solche Sendungen unkommentiert für sich stehen dürfen, denn selbst bei der Ankündigung hat der Redakteur von DWDL.de kein wirkliches Problem mit dem Charakter der Sendung.

(Dieser Text wurde von @herrurbach und @map gemeinsam geschrieben. Das “Ich” bezieht sich aber jeweils auf beide. Den Artikel gibt es auch drüben bei @herrurbach.)

makeb

“neues” aus der videospiele welt.

es gibt da ja dieses entwicklungsstudio names bioware. bekannt für mass effect oder dragon’s age. und die haben da ja vor einiger zeit dieses online spiel “star wars: the old republic” gebastelt. world of warcraft mit lichtschwertern.

jetzt gibt es in dieser old republic die möglichkeit “romantisch” tätig zu werden. küssen, ringelpiez mit anfassen für die spielfigur und einen npc (non-player character) der wahl. 10 männliche, 10 weibliche. aber natürlich dürfen männliche spielfiguren nur mit den weiblichen npcs techtelmechteln und umgekehrt. weil, äh, ist halt so. oder so. ausserdem hätte bioware dann ja mehr dialog aufnehmen müssen und ausserdem, sie wissen schon.

nun ja. jetzt gibt es aber spieler_innen die old republic mögen, aber halt auch gerne gleichgeschlechtlich turteln wollen. die schrieben das auch bioware. und bioware reagiert sogar. soweit so gut.

nun… was jetzt passiert ist ein bisschen. seltsam. es kommt nämlich eine kostenpflichtige erweiterung. die als zusätzliches feature sogenannte “SGR” enthält. das steht für “same-gender romance”. kostet also extra. weit weg von optimal, aber immerhin.

aber naja… diese sogenannte SGR option beschränkt sich auf einen eigenen planet. namens makeb. es gibt in diesem spiel jetzt also drölfzig planeten, und auf genau einem davon kann gleichgeschlechtlich angebandelt werden. um nach makeb erstmal zu kommen braucht eins natürlich auch eine hoch-gelevelte spielfigur, sonst wird das nix. also auch eher alles suboptimal, im letzten eck, hinter der tür mit der aufschrift “bissiger leopard” haben sie den planet der gleichgeschlechtlichen liebe versteckt.

trotzdem ist das alles ein riesen problem. für die heterosexuelle gamerschaft. wie es scheint. PCGamesN hat das ein paar Stimmen gesammelt:

As a subscriber, I’m asking all of you to change your mind. Star Wars is a family based story with nothing to do with SGR.

if you cant get it right in the real world then dont stick it in the game , way to hot a topic to draw that kind of attention . I forsee thousands of parents deleting this game from their kids computers and others because their church told them to , Why go there ? is it realy worth it?

Bioware has ruined Star Wars.

anderswo hält es derweil ein entwickler es für eine gute idee die special edition seines spiels mit einem abgetrennten frauenkörperrumpf im bikini aufzuwerten. aber die hatten ja in der vergangenheit auch keine skrupel eine spezialfähigkeit im spiel “feminist wh**e” zu nennen. zumindest intern. nun ja. same same. es gibt kein problem. bitte weitergehen. hier gibt es nichts zu sehen.

empfehlungen

Hier mal Dinge die ich in den vergangenen Tagen im Netz besonders gut fand:

  • It’s meta-time: Überfordernde Kommunikation – Schlauer Text. Den Absatz über Rückzugsräume und Trolle finde ich besonders gut. Da würde ich gerne mehr zu lesen.
  • Sexismus? Was für Sexismus? Langsam und zugänglich erklärt. Vielleicht erreicht es ja jemanden.
  • Zweite Reihe: The Lost Files of Sherlock Holmes – Der Stay Forever Podcast seziert eins meiner Herzensspiele. Ich habe damals den gesamten Dialogtext, den ich erklickt hatte, ausgedruckt. Auf Endlospapier mit dem 9-Nadel-Drucker. Kein besonders gutes Spiel, aber eins das ich sehr mochte. Respekt übrigens dafür, das Format des deutschen Radio-Features in einem Podcast so gut zu imitieren. Auch wenn ich mich persönlich mit den weniger abgelesen-klingenden, verspielteren Formaten ala This American Life oder Radiolab anfreunden kann: Wir brauchen mehr gut produzierte Podcasts! Danke dafür. (Es gibt auf der Webseite auch eine Version ohne Übersetzung der Entwickler O-Töne. Wer englisch spricht, sollte die herunterladen.)
  • Netzpolitik ist weiblich – Interessante Überlegungen im Nachgang der Umfrage von netzpolitik.org. Auch die Kommentare sind teilweise lesenswert.

english breakfast

der alte mann hat eine plüschgiraffe auf dem arm. er setzt sich auf das sofa und bietet mir eine tasse tee an. ich lehne höflich ab. ich habe eigentlich keine zeit.

“wissen sie, junger mann…” sagt er mit einem blick der durch die wand des schlechtgelüfteten zimmers in die ferne starrt. “wissen sie, was die eigentliche frage ist?”.

ich bin mir unsicher ob er jetzt eine antwort erwartet, oder nur übermäßig lange pausen macht nach rhetorischen fragen. ich lächle verlegen.

“die eigentliche frage ist: wollen sie recht haben, oder wollen sie glücklich sein?”.

ich setzte mich und frage ihn ob er nicht doch noch einen tee für mich hat.

papperlapapp.net

es ist noch nicht lange her, da hab ich app.net als gute idee verteidigt. an sich hat sich daran nicht viel geändert. die idee eines user-orientiertern social-dingsda halte ich immer noch für gut. ob “der markt” dabei ein gutes mittel ist den usern mehr stimmgewicht in die hand zu geben, ist diskutabel. unterm strich ist er wahrscheinlich direkter als eine werbefinanzierung und nicht weniger ausgrenzend als open source, das die hürde geld durch programmier- und administrier-kenntnisse ersetzt. also im prinzip nur anders schlecht.

aber egal, weil:

app.net macht mir einfach immer noch keinen spass. auf die gleiche art wie mir heise.de lesen keinen spass macht.  natürlich: ein social network ist was du daraus machst. nur: die menschen deren stimmen und themen mich interessieren sind zu grossen teilen nicht dort. oder nicht mehr. weil sie es öde fanden oder sich nicht wohl gefühlt haben. und ja, klar, das ist jetzt eine sehr subjektive sicht.

wenn ich also ehrlich bin, gammelt mein account nur in der hoffnung rum, dass das mal wichtig wird und ich dann “@map” bin. ich warte solange mal. wem app.net gefällt, weil es dort so still und unaufgeregt ist, dem lege ich übrigens ganz altmodisch ein blog ohne kommentare ans herz. ;)

isch abe gar kein auto

mich erreichte gestern wieder mal eine mail aus einem anonymen remailer. ich als “feminazi” solle auf mich aufpassen und man wüsste wo ich wohne, inklusive google maps link. gut, dass es meine münchner adresse aus dem impressum ist, da wohne ich alleine und muss mich nicht um andere sorgen.

eine ähnliche mail erhielt ich übrigens vor ein paar wochen nachdem ich mich nicht gegen die bemalung einer klotür aussprach. dort empfahl man mir allerdings nur mich fernzuhalten.

ich erinnere mich auch noch an eine etwas direktere mail, die ich 2011 erhielt. man würde mir gerne die “fresse polieren” weil ich als “mac-schwuchtel” einem “echten mitglied” den platz bei der jahresendfamilienfeier weggenommen hätte.

ich kann das ab und bin mir sicher dass es auch diesmal wieder bei der drohung bleibt. ich wollte das nur mal aufschreiben. weil ich kein auto habe, das man nicht klauen könnte.