Meinungen sind scheisse
Es gibt so Themen, da mache ich mir diffuse Gedanken zu, sage dann auch öffentlich was zu und habe trotzdem keine feste Meinung. Was ich im übrigen sowieso für einen besseren Zustand halte, als Meinungen zu verfestigen. Meinungen sind nämlich scheisse. Aber das nur nebenbei. Martin hat also irgendwas gesagt woran er sich sowieso schon kaum erinnert und dann kommt aus dem Internet plötzlich: “Du bist doch einer von diesen Post-Privacy Spacken. Erklär dich doch mal!” Jetzt kann und will ich aber keine länglichen Essays mit zwanzig Focault-Zitaten schreiben und auch das Lesen ebenjener strengt mich eher an. Trotzdem sei hier mal festgehalten warum ich eine Diskussion die manchmal auch unter dem Stichpunkt “Post-Privacy” geführt (oder eben nicht geführt) wird, für wichtig halte.
We lost the war
Eine wesentliche Klimaveränderung ist nicht mehr zu verhindern. Genausowenig wie der zunehmende Verlust der Privatsphäre - darin scheint man sich scheinbar mittlerweile einig zu sein. Zu verhindern wäre beides nur durch Regulation, die die Mehrheit der Menschen zwingen würde grundlegend anders zu handeln. Das halte ich für naiv und donquichottisch.
Wer hier seine Rocinante satteln möchte, dem sei das unbenommen. Das damit schlecht trennbar verbundene Selbstbild des Helden im Kampf mit Spacken, Pöbel und Kommerz ist verständlich wie bedauerlich.
Was aber nun wenn die Polkappen der Privatsphäre in zehn Jahren eisfrei sind? Wenn der heroische Kampf nun doch verloren wird?
Chancen und Risken
Selbst noch Einordnung der Zukunft nach Chancen und Risken vorzunehmen halte ich für zweitrangig. Dystopien gibt es ausreichend, Utopien mittlerweile auch. Was ich interessant finde sind Strategien das Eine zu vermeiden und das Andere zu fördern. Von selbst werden Dinge in der Regel vor allem anders, nicht zwingend schlechter oder besser.
Und hier ist der Punkt an dem ich bisher nicht weiterkomme, und auch noch keine wirklich befriedigenden Perspektiven gefunden habe. Dieses - vorallem das eigene - Versagen frustriert mich sehr.
Ich spreche gerne über Dinge die mich bewegen. Die mich ausmachen. Und doch kann ich über viele wesentliche Aspekte meinerselbst nicht öffentlich reden. Weil Andere dadurch Ziele von Diskriminierung werden würden. Oder ich selbst, das ist aber nur Feigheit. Ich hätte gerade für Erstes - weil es für mich nicht kontrollierbar und bewältigbar ist - gerne eine Strategie. Bevor uns das Wasser bis zum Hals steht.